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Lajos Boros

Lajos Boros

Im November 1928 wurde Lajos Boros im ungarischen Siebenbürgen geboren. Als der 21jährige 1949 nach dem Abitur in der Kunsthochschule in Cluj-Clausenburg sein Studium beginnt, hat er bereits das Chaos und die Armut der Kriegswirren erlebt. Als diplomierter Künstler hat er schnell Erfolg im sozialistischen Rumänien. Er erinnert sich gut, dass ein älterer Freund ihm einmal gesagt habe, Bilder malen heiße noch nicht Kunstwerke herstellen, denn echte Kunstwerke sagten Wahrheiten. Der junge Maler weiß, er will mit der Kunst Wahrheiten suchen. Und der sucht sie - über „Prinzipen“, über „Gesetzmäßigkeiten“, wie er heute sagt. Damals studierte er mit Zirkel und Lineal Kompositions- und Farbgesetze in der orthodoxen Ikonenmalerei.

Und er trifft 1955, er ist 27 Jahre alt, seinen Mentor, den 71jährigen Janos Mattis-Teutsch (1884 – 1960). Mattis-Teutsch gehört zu den Pionieren der Modernen Malerei. Er lebte, wenig von der europäischen Öffentlichkeit beachtet, als Zeichenlehrer in Brasov-Kronstadt, begegnete zum Beginn des 20. Jahrhunderts Matisse und Kandinsky, beschäftigte sich mit Theosophie und Anthroposophie, stellte mit den Malern der „Brücke“ und des „Blauen Reiter“ aus und hatte sich zeitlebens mit den bildnerischen Konstruktionsprinzipien beschäftigt. Ohne diesen persönlichen und spirituellen Lehrer, so Boros, hätte er wohl nie sein Lebensthema, die „Urkomposition“ verfolgen und finden können. Immer wieder zitiert er diesen seinen Lehrer aus den Jahren 1955 bis 1960:

„Die Menschen, die Bildbetrachter wissen eigentlich nicht, wodurch eine Komposition wirkt; aber sie fühlen, wenn ein Bild stimmt’ oder richtig ‚spricht’. Nicht richtig konzipierte oder komponierte Werke stiften Unsicherheit und Unruhe in der menschlichen Seele. In Thema und Form übereinstimmende Bildlösungen wecken im menschlichen Inneren Zuversicht und Stabilität.“

Boros hat Erfolg im kommunistischen Rumänien, doch sein malerischer Impuls seine Suche nach den „Prinzipien“ und Wahrheit im Kunstwerk entfremden ihn mehr und mehr von den Maßregelungen des sozialistischen Realismus. Repressalien der Securitate sind die Folge. Und Boros stellt anlässlich einer Ausstellung in Wiesbaden 1970 den Asylantrag in Deutschland.

Allein, von Frau und den Kindern getrennt, findet er sich existentiell ganz unten „am Nullpunkt“, er arbeitet als Fabrikarbeiter, begegnet Anthroposophen in Wiesbaden - und malt und malt und findet nach zwei Jahren sein „Instrument“: ein Format, durchzogen von Diagonalen, von Kreisbewegungen und verhältnisgleichen Flächen. Sein Ursprung, seine "arché". Er nennt sie „Ur-Komposition“ und jubelt: „Nun kann ich alles aussprechen! Ich habe mein Instrument!“

Von 1973 bis 1993 sichert er als Kunsterzieher an Gymnasien der nachgezogenen Familie die Existenz. Bis heute schafft er in über 30 Jahren mit seinem „Instrument“ mehr als 600 Kompositionen, Gemälde im immer gleichen Format. Eine ungemein schöpferische künstlerische und auch forschende Tätigkeit. Boros wird Mitglied in der Anthroposophischen Gesellschaft und findet immer wieder Bestätigung und Impulse im Werk von Rudolf Steiner. *)

 
Lajos Boros Komposition
110/1985, Öl
  Lajos Boros Komposition
637 2009, Öl
 
Lajos Boros Landschaft Ungarn
Aquarell, 2002
  Lajos Boros Wind Abend Klosters
Aquarell, 1987


Boros kann heute als ein Klassiker gesehen werden, der ganz aus den ursprünglichen Impulsen des Aufbruchs in die heute schon „klassisch“ genannte Moderne schöpft, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts das vorher hermetisch Verschlossene an den Tag brachte: Rudolf Steiner, Henri Matisse, Adolf Hölzel, Janos Mattis-Teutsch, Wassily Kandinsky etwa waren solche Türöffner.

Für Boros, der seinen Impuls auch weiter gehend versteht, soll reine Malerei „Offenbarungsinstrument“ für Höheres werden: „Farben und Formen wirken tief unbewusst aufbauend und ordnend, wenn sie sinnvoll im Format konzipiert sind, das heißt wenn sie Gefäße für Höheres werden. – Als schön empfinden wir, was in der Malerei richtig konzipiert ist, das heißt wenn sich die Farbwesenheiten sinnvoll organisieren können. Die Arbeit des Malers ist es, das Gefäß dafür zu schaffen - und dafür muss er die Grammatik der Farben- und Formensprache studieren, üben, verstehen.“

In Mal- und Zeichenkursen hat Lajos Boros eine Methodik der Malerischen Mittel entwickelt, die erstmals dokumentiert ist in dem Handbuch Thomas Wildgruber, Malen und Zeichnen, 1. bis 8. Schuljahr, Verlag Freies Geistesleben.

 *) Thomas Wildgruber, Im Morgenrot des Schönen, im Morgenrot des Erkennens in die Drei 11/2008
Dazu auch Thomas Wildgruber, Lajos Boros - sein Weg zur Urkomposition, die Drei 6/1990;
Dem malerischen Generalbass auf der Spur; die Drei 3/1997;
„Das ist eben eine andere Realität“, die Drei 11/2003;
Konzipieren, Konstruieren, Komponieren, Das Goetheanum 45/2003